Peru/Brasilien: Schutz der unkontaktierten indigenen Völker

31/05/2012

Im brasilianisch-peruanischen Grenzgebiet finden sich einige der letzten unkontaktierten, indigenen Völker dieser Welt. Sie leben in freiwilliger Isolation und damit weitgehend ohne Kontakt zur jeweiligen Mehrheitsgesellschaft. Informationen über ihre Lebensgewohnheiten und ihre Kultur sind rar und den meisten Forschern bleibt nichts anderes übrig, als Spuren im Urwald oder gelegentliche Luftbilder auszuwerten.

 

Die Isolation suchten die meisten dieser indigenen Gemeinschaften aufgrund von Gewalterfahrungen. Bereits im 16. Jahrhundert kam es ihm Zuge der frühen portugiesischen Siedlungstätigkeiten an der Küste des heutigen Brasiliens zu eigentlichen Gewaltwellen. Massaker, Krankheiten und Vertreibungen dezimierten die lokale Bevölkerung innert weniger Jahrzehnte massiv. Die Überlebenden flohen in die schützende Tiefe des Urwalds. Während des grossen Kautschukbooms des 19. Jahrhunderts folgte auf dem Gebiet des brasilianischen wie auch des peruanischen Amazonasgebietes eine zweite Welle brutaler Gewalttaten gegen die indigene Bevölkerung. Eine dritte Welle wurde schliesslich von Grossgrundbesitzern, Siedlern und Konzernen losgetreten, welche bis heute anhält. Auf der Suche nach Rohstoffen wie Holz, Erdöl, Erdgas und Gold, nach Weidegründen für Rinderherden und Land für Palmöl- und Sojaplantagen wurde nicht nur skrupellos Raubbau an den Urwäldern betrieben, sondern es wurden auch unzählige Indigene vertrieben und ermordet.

 

Die unkontaktierten Völker stehen gegenwärtig unter gewaltigem Druck und ihr Siedlungsgebiet wird immer kleiner. Unter anderem dank des Engagements lokaler, indigener Organisationen entstanden in beiden Ländern Schutzzonen für unkontaktierte Gemeinschaften. Entlang oder in unmittelbarer Nähe der peruanisch-brasilianischen Grenze – d. h. in der brasilianischen Provinz Acre, sowie in den peruanischen Departementen Madre de Dios und Ucayali – befinden sich sieben von insgesamt zehn dieser bereits existierenden oder geplanten Schutzgebiete. Diese umfassen jedoch nicht sämtliche Regionen, in denen unkontaktierte Völker leben. Darüber hinaus werden teilweise in diesen offiziellen Schutzzonen – etwa in Peru – von der Regierung Konzessionen an Erdölfirmen vergeben und illegale Strassen von Holzfirmen zum Abtransport von Mahagoni errichtet. Dies hat zur Folge, dass unkontaktierte Indigene von Peru nach Brasilien flüchten.

 

GfbV-Hintergrunddossier “Die Unsichtbaren”: http://assets.gfbv.ch/downloads/hintergrunddossier_unkonktaktierte_indigene_mai_2012.pdf